Klettern an künstlichen Wänden hat sich zu einer echten Trendsportart entwickelt, eine Boulderwand ermöglicht dabei Klettern ohne Seilsicherung. Gebouldert werden darf grundsätzlich bis zu einer maximalen Kletterhöhe von drei Metern, in der Halle bei den Sportlern auch bis zu vier Metern. Dass es hierbei auch einen geeigneten Fallschutz braucht, versteht sich von selbst.

Im Bereich des Fallschutzes gibt es einige Optionen, die in Frage kommen. Der Passende Fallschutz ist vor allem abhängig von der Fallhöhe. Diese bestimmt sich durch den am höchsten montierten Tritt. Welche Anforderungen ein Fallschutz für welche Tritthöhen haben muss legt die DIN Norm EN 1177 fest. Die Norm definiert den sogenannten HIC-Wert (Head Injury Criterion), der mit dem angenommenen Wert von 1000 die Obergrenze fest, bis zu der es beim Aufprall mit dem Kopf zu kritischen Kopfverletzungen kommen kann. Entspricht beispielsweise eine Fallschutzplatte bei einer Fallhöhe von 2 m dem HIC 1000 dann liegt die Wahrscheinlichkeit einer kritischen Kopfverletzung bei 3%.

Fallschutz beim Bouldern

Die Mindestanforderungen

Tritthöhe bis max. 0,6m: keine Anforderungen an einen speziellen Fallschutz.

Tritthöhe von 0,6m bis 1m: leicht dämpfender Untergrund (ungebundener Boden wie z.B. Rasen oder Oberboden im Außenbereich oder Fallschutzmatte mit Minimum 4cm Dicke)

Tritthöhe über 1m: stark dämpfender Untergrund nach DIN (Z.B. Rindenmulch, Holzschnitzel, Sand, Rollkiesel, Fallschutzmatten mit mind. 5 cm Dicke)

Für alle Anlagen gilt: Es muss darauf geachtet werden, dass keine Gegenstände vor der Wand oder neben der Wand vorhanden sind, in die hineingefallen werden könnte. Der freie Niedersprungs- oder Fallschutzbereich muss eine Tiefe von 2 Metern haben (gemessen ab dem am weitesten in den Bereich hineinragenden Wandelement). Seitlich muss der Fallschutz mindestens 2 Meter über die Anlage hinaus ausgeführt sein. Sollte die Wand nur senkrecht aufgeführt sein, bzw. mit einer Neigung von maximal 10 Grad, dann kann die seitliche Ausführung auf 1,50 m reduziert werden.

Die Materialien

Fallschutzmatten und Fallschutzplatten

Fallschutz beim Bouldern

Fallschutzmatten werden vor allem bei Indoor-Boulderwänden verwendet. Hierbei ist es wichtig, dass die Matten nahtlos verlegt werden. Es sollte keine Kuhlen, größere Ritzen oder tiefe Fugen zwischen den Matten geben, die ein Verletzungsrisiko bieten. Hierfür gibt es beispielsweise Überzüge, Steckverbindungen oder Klettbänder, die die Matten aneinander halten.

Fallschutzmatten bestehen aus einem Kern aus speziellem Verbundschaum, PU- oder PE-Schaum, der mit einem Planenstoff wie z.B. LKW-Planen überzogen ist. Fallschutzplatten bestehen meist aus Gummi oder anderen Synthetischen Materialien.

Je nach maximaler Tritthöhe (Fallhöhe) brauchen Fallschutzmatten oder -Platten eine bestimmte Mindestdicke.  Bei einer Höhe von bis zu 1 Meter ist beispielsweise eine Fallschutzplatte mit 4 cm Dicke ausreichend, wohingegen bei größeren Höhen dickere Matten verwendet werden müssen. Bei einer Boulderhöhe von mehr als 3,50 m und einer max. Neigung von mehr als 10° sind Weichböden gemäß Mattentypen 8 mit einer Mindeststärke von 30 cm zu verwenden.

Fallhöhe/Tritthöhe Mattendicke
Bis 1,20 m 4cm
Bis 1,50 m 5cm
Bis 1,70 m 6cm
Bis 2,10 m 7cm
Bis 3,00 m 15cm
Über 3,50 m und max. Neigung über 10° 30cm

Fallschutzmatten und Fallschutzplatten bei Kübler Sport

Rollkiesel

Fallschutz beim Bouldern

Der sogenannte 8/16 Rollkiesel ist im Außenbereich eine „saubere Sache“ und ein beliebter Fallschutz mit hoher Selbstreinigungswirkung, da er im Gegensatz zu anderen Materialien wenig Schmutz an die Wand bringt. Wird gewaschener Rollkies, Rundkies oder Perlkies verwendet, so muss die Schichtstärke mindestens 40cm betragen, um eine ausreichende Dämpfungswirkung zu bieten. Die Korngröße der Kiesel sollte zwischen 2 und 8 mm liegen.

Sand

Fallschutz beim Bouldern

Wird im Außenbereich Sand als Fallschutz verwendet, so muss ebenfalls eine Schichtdicke von mindestens 40cm ausgebracht werden. Der Sand sollte gewaschen und ohne tonige Anteile sein, die Korngröße liegt dabei zwischen 0,2 und 2mm). In der DIN EN 1176 ist Sand mit diesen Kriterien explizit als Fallschutzsand festgelegt, da er aufgrund der geringen Korngröße eine geringe Adhäsion und somit Formbarkeit besitzt. Dadurch bietet dieser feine Sand im Gegensatz zum gröberen Spielsand eine gute Dämpfung.

Hackschnitzel und Rindenmulch

Fallschutz beim Bouldern

Beiden Materialien ist gemeinsam, dass auch sie als Fallschutz eine Schichtdicke von mindestens 40 cm aufweisen müssen. Der Unterschied besteht in der Art des Materials: Hackschnitzel (oder Holzschnitzel) bestehen aus mechanisch zerkleinertem Holz (keine Holzwerkstoffe) ohne Rinde oder Laubanteile. Die Holzstücke haben in der Regel eine Größe zwischen 5 und 30 mm. Bei Rindenmulch handelt es sich um zerkleinerte Rinde von Nadelhölzern, die zwischen 20 und 80 mm groß sind.

Weitere Hinweise für sicheres Bouldern

Für ein sicheres Bouldern ohne Verletzungen gibt es neben einem adäquaten Fallschutz auch weitere wichtige Faktoren. So ist es zum Beispiel sehr wichtig, den Sturzraum freizuhalten, denn der beste Fallschutz hilft nichts, wenn dort Trinkflaschen, Chalkbags oder Bürsten liegen, die bei einem Sturz zu Verletzungen führen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass sich keine Personen im Sturzraum aufhalten.

Zusätzlich sollte das richtige Stürzen und Landen geübt werden, denn jedes Abspringen ist auch ein Bodensturz. Hierfür gibt es einige Techniken, wie den Babyboxer, bei dem zunächst auf den Füßen oder dem Gesäß gelandet wird, bevor man über den Rücken abrollt. Bei einer Landung auf den Füßen ist es wichtig, möglichst nachgebend zu landen.

Fallschutz beim Bouldern

Mehr Informationen zum Thema Bouldern und Klettern findest du auch in unserem Ratgeber „Klettern und Bouldern“ und in unserer Kletterbroschüre.