Geschichte des Faustball

Die Anfänge des Faustballs liegen schon eine sehr lange Zeit zurück. Allerdings ist man sich nicht sicher wann genau die Sportart erfunden wurde, obwohl man sich einig ist, dass Faustball aus dem Süden Europas stammt. In Italien sollen schon etwa drei Jahrhunderte v. Chr. die Grundzüge des Spiels entstanden sein. Dort spielten sie schon damals mit einem Lederball, der nur mit den Armen und Fäusten gespielt werden durfte. Demnach würde Faustball zu den ältesten Sportarten der Welt gehören. Zum ersten Mal wurde Faustball 240 n. Chr. vom römischen Kaiser Gordian III schriftlich erwähnt. Die ersten Regeln wurden 1555 von Antonio Scaino niedergeschrieben. Diese Regeln galten allerdings einer italienischen Volksportart, bei der man einen Lederball mit den Armen und Fäusten spielte. In der Renaissance wurde das Faustballspiel gerne vom Adel gespielt, allerdings als Zeitvertreib und ohne den Wettkampfgedanken.

Auch Johann Wolfgang von Goethe schrieb schon 1786 in seinem Reisetagebuch von Faustball, wie ihn mehrere Italiener gegeneinander spielten. In Deutschland etablierte sich der Faustball erst im Jahre 1870. Zu dieser Zeit wurde das Spiel hauptsächlich von Turnern zum Ausgleich gespielt, daher galt der Faustball schon schnell als Turnsportart. Etwas 20 Jahre später wurde das erste Regelwerk veröffentlicht, welches aus dem Freizeitspiel erstmals eine Sportart mit einem Wettkampfcharakter machte, auch wenn sich die damaligen Regeln von den Aktuellen enorm unterscheiden. Mit der Zeit entwickelte sich dennoch ein einheitliches Regelwerk.

Faustball ist keine olympische Disziplin, allerdings wird sie schon seit einigen Jahren bei den World Games betrieben.

Eine Besonderheit im Faustball ist, dass der Sport auch alternativ zu dem Spiel auf dem Feld auch in der Halle gespielt werden kann, wenn auch mit abweichenden Spielregeln.

Faustball in Deutschland

Faustball gilt in Deutschland im Gegensatz zum Fußball eher als Randsportart. Dennoch ist die sportliche Leistung des Sports hoch angesehen, da die Spieler kaum bis gar kein Geld verdienen. Dadurch stehen alleine der Sport und der Ehrgeiz im Vordergrund. Da Faustball in Deutschland hauptsächlich von Turnern gespielt wurde, gehörte es dem Deutschen Turnerbund an.

Die höchste Liga ist die Bundesliga, welche in Nord und Süd aufgeteilt ist. Am Ende der Saison spielen die jeweils drei besten Mannschaften die deutsche Meisterschaft aus. 1913 wurde während des Deutschen Turnfestes die erste deutsche Meisterschaft ausgetragen.

Im internationalen Spielbetrieb sind die deutschen Faustballnationalmannschaften die Supermacht. Die Männer gewannen bislang elf Weltmeisterschaften und elf Europameisterschaften und bei fünf von acht Teilnahmen die World Games. Die Damen gewannen bisher fünf Weltmeisterschaften, bei den Europameisterschaften konnten sie sich schon 10 Mal als Sieger durchsetzen.

In Europa stehen sich im Wesentlichen nur Österreich, die Schweiz und Deutschland als Konkurrenten gegenüber, da bei den Europameisterschaften, sowohl bei den Damen als auch bei den Herren, die Siege stetes zwischen diesen drei Faustballnationen entschieden wurden.

Der Faustball

Der Faustball ist aus Leder und wird mit Luft gefüllt. Die Grundfarbe des Faustballs muss weiß sein. Maximal 20 % des Spielballs werden mit Farbflächen befüllt. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass der Ball über das Siegel des IFA verfügt. Ist das IFA-Siegel vorhanden, wurde der Ball auf alle notwendigen Eigenschaften geprüft. Der Ball kann somit als offizieller Spielball für nationale als auch internationale Turniere verwendet werden. Bei einem gut ausgeführten Schlag kann ein Faustball eine Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h erreichen.
Die Größe des Balles ist im Faustball unterschiedlich. Die Männer spielen mit einem Ball der zwischen 350 Gramm und 370 Gramm wiegt. Die Frauen spielen mit einem Ball bei dem das Gewicht zwischen 320 Gramm und 340 Gramm liegt. Der Umfang der beiden Bälle liegt zwischen 65 und 68 cm.

Band / Netz / Leine

Über der Mittellinie des Feldes ist ein Band oder Netz in einer Höhe von 1,90 m bzw. 2,0 m gespannt. Dieses Band ist an zwei freistehenden Pfosten befestigt, die jeweils an den Schnittpunkten der Mittellinie und der Außenlinie auf beiden Seiten befestigt sind.

Für die Bespannung ist zulässig:

  • ein Netz mit einer Breite von 3 bis 6 cm
  • ein Band mit einer Breite von 3 bis 6 cm
  • eine Rundleine mit einer Stärke von 5 bis 8 mm

Regeln im Faustball

Anzahl der Spieler: Jede Mannschaft spielt mit fünf Spielern auf dem Feld und fünf Auswechselspielern.

Ballwechsel: Bei einem Ballwechsel ist es jedem Spieler erlaubt den Ball einmal zu spielen. Zudem darf der Ball nach einer Berührung einmal auf dem Feld aufkommen, bevor ein anderer Spieler ihn aufnimmt. Maximal drei Spieler dürfen den Ball je einmal spielen, spätestens der dritte Spieler muss den Ball in das gegnerische Feld schlagen.

Aufschlag: Den Aufschlag hat die Mannschaft, die zuletzt einen Fehler gemacht hat. Jeder Spieler hat das Recht einen Aufschlag auszuführen. Der Aufschlag muss vor der Aufschlaglinie erfolgen. Dabei darf man den Ball springend, laufend und stehend spielen. Allerdings muss der erste Bodenkontakt nach dem Aufschlag vor der Aufschlaglinie erfolgen.

Fehler: Ein Fehler und somit ein Punkt für das gegnerische Team ist, wenn…

  • der Ball zwei Mal hintereinander ohne Berührung eines Spielers auf dem Boden aufkommt.
  • der Ball oder ein Spieler das Netz oder die Pfosten berühren.
  • der Ball außerhalb des Spielfeldes aufkommt.
  • der Ball einen anderen Körperteil als die Faust und den Arm trifft.
  • der Ball unter dem Netz durch oder an den Seitenpfosten vorbei gespielt wird.
  • ein Spieler während eines Spielzuges mehrmals den Ball spielt.
  • ein Spieler beim Aufschlag die Aufschlaglinie berührt
  • der Ball nicht regelkonform gespielt/geschlagen wird.

Auszeit: Jeder Mannschaft steht eine Auszeit von 30 Sekunden zur Verfügung. Diese Auszeit kann je Satz einmal in Anspruch genommen werden.

Spielerwechsel: Die Spieler dürfen so oft aus- und eingewechselt werden wie sie wollen. Allerdings darf ein Wechsel nur bei eigenem Aufschlag, während der Auszeit oder während einer Unterbrechung stattfinden.

Das Spielfeld

Quelle: Wikipedia

Das Spielfeld hat beim Faustball die Abmessungen von 50 Meter mal 20 Meter. Das Spielfeld wird in der Mitte durch eine Mittellinie und ein Netz getrennt. Das Netz hängt in einer Höhe von 2 Metern über die gesamte Breite. Bei den Damen hängt das Netz 1,90 Meter über dem Boden. Jede Spielhälfte verfügt über eine Aufschlaglinie, die 3 Meter von der Mittellinie entfernt ist. Die Aufschlaglinie verläuft auch jeweils über die gesamte Breite. Jede Mannschaft spielt mit fünf Spielern auf dem Feld. Alle Linien des Spielfeldes müssen mindestens 8 cm und maximal 12 cm breit sein. Der Untergrund des Spielfeldes (bei dem Faustball auf dem Feld) ist Rasen.

Spielverlauf

Das Faustballspiel hat leichte Ähnlichkeiten mit dem des Volleyballs. Das Ziel des Spiels ist es den Ball so über das Netz zu spielen, dass der Gegner ihn nicht mehr erreichen kann. Allerding wird beim Faustball nur mit der Faust bzw. mit einem Arm geschlagen. Pro Ballwechsel darf der Ball von maximal drei Spielern gespielt werden, spätestens der dritte Spieler muss den Ball auf die gegnerische Hälfte schlagen. Der Ball darf nach einer Berührung des Spielers einmal auf dem Boden aufkommen, solange der Ball im Spielfeld aufkommt.

Faustball wird ähnlich wie Volleyball auch mit Punkten und Sätzen gespielt. Allerdings ergibt jeder Ballwechsel ein Punkt. Macht die aufschlagende Mannschaft einen Fehler, dann geht der Punkt direkt an die gegnerische Mannschaft. Zudem hat immer die Mannschaft Aufschlag, die zuvor den Fehler gemacht hat. Die Mannschaft die zuerst elf Punkte erzielt hat und mit zwei Punkten führt gewinnt den Satz. Bei einem Spielstand von 10:10 wird der Satz verlängert. Es gewinnt dann die Mannschaft den Satz, die zuerst mit zwei Punkten führt oder zuerst den 15. Punkt erzielt. Demnach ist das höchst mögliche Satzergebnis 15:14.

Um ein Spiel zu gewinnen, benötigt man in der 1. Bundesliga fünf Gewinnsätze. Demnach wird das Spiel spätestens nach neun Sätzen („Best of Nine“) entschieden. Die Anzahl der Gewinnsätze variieren allerdings von Spielklasse zu Spielklasse. In der zweiten Bundesliga der Herren und in der Damen Bundesliga benötigt man drei Gewinnsätze für den Sieg, sprich „Best of Five“.

Aufstellung der Mannschaften

Quelle: Wikipedia

Anders als im Volleyball haben die Spieler beim Faustball eine feste Position. Es ist üblich, dass im hinteren Feld zwei Abwehrspieler stehen, welche die Schläge des Gegners im Spiel halten. Etwas näher am Netz stehen drei weitere Spieler (siehe Mannschaft A). Die Mitte ist die Position des Zuspielers, dieser bedient den Hauptangreifer und den zweiten Angreifer mit vorgelegten Bällen. Die Angreifer sind meist die Schlagspezialisten und erzielen somit die Punkte aus dem Feld. Mannschaft B zeigt die typische Aufstellung für die Halle, da durch die Beschaffenheit des Bodens die Bälle meist länger ankommen stehen hier drei Spieler in der hinteren Reihe.

Faustball in der Halle

Faustball kann nicht nur draußen auf dem Feld gespielt werden, sondern auch in einer Halle. Dadurch ist der Sport saisonal unabhängig. Allerdings gibt es wenige kleine Unterschiede zum normalen Faustball: Zunächst einmal ist das Spielfeld etwas kleiner. Die Maße des Hallenspielfelds sind 40 Meter mal 20 Meter. In der Hallensaison spielen die Mannschaften mit veränderten Taktiken, da der ebene Hallenboden einen anderen Einfluss auf des Spiel nimmt als der Rasen. Berührt der Ball die Wand, gilt dies sofort als Fehler. Da die Zone zwischen den Auslinien und den Wänden meist relativ klein ist, ist es schwerer den Ball im Spiel zu halten. Die Deutschen Meisterschaften werden übrigens sowohl in der Halle als auch auf dem Feld separat ausgetragen. Auch internationale Turniere gibt es sowohl für den Hallenfaustball als auch für Feldfaustball.