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    Bolzplätze – kommunale Kulturerben

    Kübler Sport Redaktion -

    Bolzplätze finden sich in nahezu jeder Gemeinde bzw. Stadt in Deutschland und dienen als Sport- und Spielstätte. Im Gegensatz zu Sportanlagen, die für den organisierten Sport genutzt werden, stehen Bolzplätze zur unbeaufsichtigten Gemeinnutzung zur Verfügung. Charakteristisch für den Bolzplatz ist somit die ungezwungene spontane Nutzung der Fläche für spielerische und sportliche Zwecke ohne Einflussnahme durch Vereine oder die Schule. Der Bolzplatz hat seinen Namen vom Bolzen, also dem Schießen des Balles ins Tor ohne strikte Regeln.

    Ungezwungen Bolzen – das geht auf dem Bolzplatz

    Bedeutung der deutschen Bolzplatzkultur

    Kaum einer hat in seiner Kindheit nicht Zeit auf dem Bolzplatz verbracht, denn er zählt als fester Bestandteil der deutschen Alltags- und Freizeitkultur. Ein Ort, an dem sich Kinder und Jugendliche selbstbestimmt treffen und eigenständig Sport treiben. Bolzplätze haben eine nicht zu unterschätzende gesellschaftliche und soziale Bedeutung. Hier werden Erfahrungen fürs Leben gesammelt – und das nicht nur sportlicher Art. Kreativität, Selbstorganisation, Toleranz und ebenso Durchsetzungsvermögen werden auf dem Bolzplatz gelernt und gelebt.

    Dieses kulturelle Phänomen, das weit über das Fußballspielen hinausgeht, wurde auch ganz offiziell gewürdigt. Seit 2018 gilt die deutsche Bolzplatzkultur als immaterielles Kulturerbe. Das wertvolle Kulturgut Bolzplatz soll damit auch vielen weiteren Generation weitergegeben werden.

    Rahmenbedingungen von Bolzplätzen

    Bisher existiert keine anerkannte Definition für den Bolzplatz, entsprechend sucht man auch vergeblich nach Standards wie Nutzungsbedingungen, Ausstattung oder der Feldgröße. Normalerweise sind Bolzplätze wesentlich kleiner als genormte Fußballplätze, meist zwischen 15 – 25 m breit und 30 – 70 m lang. Wenngleich keine allgemeingültigen Rahmenbedingungen für Bolzplätze vorliegen, sollte der kommunale Betreiber für eine “nachbarverträgliche Nutzung” von Bolzplätzen sorgen, um Rechtstreitigkeiten zu vermeiden. Diese umfasst:

    • Reduzierung von Ballimmissionen (durch Ballfanganlage etc.)
    • Festlegung von Nutzungszeiten in Wohngebieten (um eine dauerhafte Lärmentwicklung zu vermeiden)
    • Festlegung von Nutzungsbeschränkungen (z. B. Nutzung nur bis 18 Jahre, kein Grillplatz)
    Bolzplatz Beschränkungen | Quelle: Birgit Reitz-Hofmann – stock.adobe.com

    Ausstattung von Bolzplätzen

    Die Ausstattung von Bolzplätzen ist meist gewollt spartanisch. In diesem Punkt ist auch Vorsicht geboten. Denn wird ein Bolzplatz so ausgestaltet, dass er für den organisierten Sportbetrieb nutzbar ist (z. B. Spielerkabinen, Zuschauerbänke, Flutlicht, …), dann gelten andere bauliche Vorgaben und Verordnungen, z. B. die Sportanlagenlärmschutzverordnung. In den meisten Gemeindesatzungen werden Bolzplätze dagegen wie Kinderspielplätze behandelt.

    Bodenbelag

    Oft wird für den Bolzplatz ein strapazierfähiger Naturreisen eingesetzt. Im Gegensatz zum Sportrasen auf dem Sportplatz wird jedoch weniger Pflegeaufwand von der Kommune aus betrieben. Beispielsweise wird in der Regel nicht gewässert. Als weitere Bodenbeläge kommen Kunstrasen, Gummigranulat, Asphalt oder Stein in Frage.

    Öffentlicher asphaltierter Bolzplatz | Quelle: ThomBal – stock.adobe.com

    Sportgeräte

    In erster Linie soll auf einem Bolzplatz natürlich Fußball gespielt werden. Entsprechend dürfen Fußballtore oder Torwände nicht fehlen. Fußballtore für den Bolzplatz sind wesentlich kleiner – angepasst an das kleinere Spielfeld und um kindgerechte Bedingungen zu schaffen. Zudem müssen Bolzplatztore besonders robust, widerstandsfähig und sicher sein, da sie unbeaufsichtigt genutzt werden. Bolzplatztornetze sind oft mit einer vandalismushemmenden Edelstahl-Drahtlitzeneinlage ausgestattet. Eine Vollverschweißung der Tore sorgt zudem für nahezu wartungsfreie und unzerstörbare Bedingungen.

    Minitore auf dem Bolzplatz lassen sich auch anderweitig nutzen, zum Beispiel zum Streethockey oder Handball spielen. Eine weitere Option den Bolzplatz multifunktional zu machen sind Basketballkörbe. Selbstverständlich darf ein kommunaler Bolzplatz jedoch auch als Multifunktionsspielfeld für andere sportliche Aktivitäten genutzt werden, zum Beispiel zum Frisbee werfen, Federball oder Roundnet spielen.

    Ballfanganlage

    Damit keine Bälle vom Bolzplatz in die Umgebung fliegen oder rollen, ist i. d. R. eine Ballfanganlage vorgesehen. Besonders in Wohngebieten ist ein Ballfang sehr zu empfehlen, um Anwohner nicht zu verärgern oder gar zu gefährden. Als Ballfanganlage dienen entweder Ballfangzäune oder eine Anlage mit Pfosten, Quertraversen und Ballnetz. Auch natürliche Maßnahmen wie ein Erdwall sind möglich, sofern es die Umgebung zulässt.

    Ungeschriebenes Bolzplatz-Gesetz: Wer den Ball auf Abwege schießt, muss ihn auch wieder holen.

    Spielweise: Bolzen und mehr

    Auf dem Bolzplatz ist erlaubt, was die Spielenden “Bolzer” vereinbaren. Ein fixes Regelwerk gibt es nicht. Da sich meist keine vollständige Fußballmannschaft auf einem Bolzplatz einfindet, kommen diverse Spielvarianten zum Einsatz, dazu gehören:

    • Streetsoccer: Jedes Team hat vier Spieler und bis zu vier Auswechselspieler. Die beiden Teams entscheiden ohne Schiedsrichter.
    • Elfmeter-Rittern: Die Spieler schießen abwechselnd Elfmeter. Der jeweilige Schütze geht als nächstes ins Tor.
    • Königsschießen/Wandschießen: Die Spieler schießen nach einer durchnummerierten Folge den Ball gegen eine Torwand.
    • Panna K.O.: Zwei Spieler befinden sich im direkten Duell.
    • King of the Ring: Ziel des Spiels ist es, als Letzter von allen Teilnehmern seinen eigenen Ball am Fuß zu führen. 
    • Hochhalten: Alle Spieler halten den Ball ohne Bodenkontakt in der Luft.
    • Luftkönig: Spielziel ist es, Tore durch Direktabnahmen (Volleyschüsse oder Kopfbälle) zu erzielen.
    Ungeschriebenes Bolzplatz-Gesetz: Wer den Fußball mitbringt, entscheidet welche Regeln gelten oder welche Spielweise gespielt wird.

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