Die Rhythmische Sportgymnastik ist eine Sportart, bei der Bewegungen von Tanz und Ballett kombiniert werden. Hinzu kommen Akrobatik und der Einsatz von Geräten wie Bändern, Bällen und Reifen. Es ist eine umfangreiche Sportart, bei welcher sehr viele Fähigkeiten angesprochen und trainiert werden. In diesem Beitrag haben wir Dir alles Wichtige zur Rhythmischen Sportgymnastik zusammengestellt und zeigen Dir, wieso diese Sportart besonders gut für Kinder bzw. Mädchen ist.

Rhythmische Sportgymnastik: Regeln und Materialien
Quelle: pixabay

Rhythmische Sportgymnastik – Gymnastik und Tanz in einem

Die Rhythmische Sportgymnastik ist eine Turnsportart und wird mit Musikbegleitung durchgeführt. Das Hauptkennzeichen dieser Sportart sind die gymnastischen und die tänzerischen Elemente mit Handgeräten (Seil, Reifen, Keule, Ball & Band), welche ein hohes Maß an Körperbeherrschung, Gleichgewichts- und Rhythmusgefühl erfordern. Die Rhythmische Sportgymnastik ist ein reiner Frauensport, wobei es in den letzten Jahren in Japan und Spanien schon die ersten Wettbewerbe für Männer gab. Diese Sportart ist seit 1984 olympisch und wird in Deutschland durch den deutschen Turnerbund (DTB) , sowie international durch den FIG (Internationaler Turnerbund) und durch die UEG (Europäische Turnunion) organisiert. Es gibt verschiedene Alters- und Leistungsklassen. Dabei kann man jedoch sagen, dass die meisten Gymnastinnen zwischen 15 und 22 Jahren ihren Leistungshöhepunkt haben und im Alter von 30 Jahren ihre Karriere beenden.

Wie ist die Rhythmische Sportgymnastik entstanden?

Rhythmische Sportgymnastik im Turnen
Quelle: pixabay

Im Nationalsozialismus kam es zu einer besonderen Förderung der Rhythmischen Sportgymnastik für Mädchen und junge Frauen. Denn dadurch sollten die Mädchen eine organische Volksgemeinschaft praktizieren und gleichzeitig sollte dieser Fluss auf der gymnastischen Bewegungen auf die weibliche Anatomie und die künftige Mutterrolle abgestimmt werden. Die Rhythmische Sportgymnastik ist aus der Wettkampfgymnastik mit und ohne Handgeräte entstanden und im Jahr 1941 fanden erstmals Wettkämpfe in dieser Sportart in Sankt Petersburg statt. Seit 1963 gibt es Weltmeisterschaften, die seit 1991 jährlich ausgetragen werden.

Welche Fähigkeiten müssen die Gymnastinnen besitzen?

In der Rhythmischen Sportgymnastik werden zahlreiche Fähigkeiten angesprochen und trainiert, weshalb die Sportart oftmals als Unterstützung in der kindlichen Entwicklung eingesetzt wird. Die Rhythmische Sportgymnastik fördert u.a. die folgenden Fähigkeiten:

  • Schnelligkeit
  • Konzentrationsfähigkeit
  • Präzision & Genauigkeit
  • Auffassungsfähigkeit (Fähigkeit schnell mit veränderten motorischen Situationen fertig zu werden)
  • Kondition, Ausdauer und Flexibilität
  • Beweglichkeit & besseres Körpergefühl

Welche Regeln gibt es in der Rhythmischen Sportgymnastik?

Rhythmische Sportgymnastik
Quelle: pixabay

Die Regeln in der Rhythmischen Sportgymnastik werden von der FIG im Code of Points (CoP) festgelegt. Die Wettkampffläche umfasst ein Maß von 13 x 13m , worauf Die Übungen mit Reifen, Keulen, Seilen, Bändern und Bällen im Einklang der Musik (Nutzung von Musikinstrumenten & der eigenen Stimme ist erlaubt) geturnt werden. Im Einzel zeigt die Gymnastin eine 1:15 bis 1:30 Minuten lange Übung mit einem der Handgeräte. In der Gruppe turnen 5 Gymnastinnen gleichzeitig und nutzen dabei fünf gleiche Handgeräte oder eine Mischung aus zwei Handgeräten (z.B. 3 Bälle und 2 Bänder). Hier dauern die Übungen 2:15 bis 2:30 Minuten. Im Wettkampf muss die Kleidung der Gymnastinnen eng anliegend sein. Zudem gelten die folgenden Regeln bzw. Vorschriften hinsichtlich der Bewertung:

Übungsausführung

Die Gymnastinnen können Übungen von verschiedenen Schwierigkeitsgraden zeigen, die wiederum mit unterschiedlich hohen Schwierigkeitswerten belohnt werden. Dabei gibt es die Körperschwierigkeit, welche nochmals unterteilt ist in:

  • Sprünge
  • Drehungen
  • Stände

Diese unterschiedlichen Elemente geben wiederum verschieden hohe Punkte. Jede Übung muss mindestens 8 Sekunden Tanz enthalten. Tanzschritte bzw. der Tanz beschreibt zusammenhängende Schrittreihenfolgen, die die Gymnastinnen mit oder ohne Handgerät absolvieren müssen. Die Schrittreihenfolgen werden auch Rhythmische Schritte genannt und müssen wie bereits erwähnt mindestens 8 Sekunden lang sein, sowie mindestens einmal in der Übung vorkommen.

Zudem gibt es sogenannte Dynamische Elemente mit Drehung und Wurf (DER). Die DER-Elemente bestehen aus einem hohen Wurf des Handgeräts, sowie der Ausführung von mindestens zwei Drehungen um die Körperachse während der Flugphase des Gerätes und dem sicheren Fangen von diesem. Die Bewertung der DER-Elemente kann durch zusätzliche Aspekte der Ausführung, wie zum Beispiel das Fangen ohne die Benutzung der Hände oder zusätzliche Körperdrehungen, erhöht werden. In einer Übung dürfen max. 3 DER-Elemente enthalten sein.

Dieses Video gibt Dir nochmals einen kleinen Überblick:

Mastery Element

Die Mastery Elemente umfassen ungewöhnliche Kombinationen von gerätetechnischen Elementen, bei welchen mindestens zwei der festgelegten Kriterien erfüllt werden müssen. Diese Kriterien können zum Beispiel die Arbeit mit dem Gerät außerhalb des Gesichtsfeldes oder ohne die Benutzung der Hände umfassen. Für jedes Mastery-Element erhält die Gymnastin 0,3 Punkte. Die Anzahl der Punkte ist dennoch davon abhängig wie gefangen, wie geworfen oder ob überhaupt geworfen wird. Wenn das Gerät nicht geworfen wird bekommt man für das Master nur 0,2 Punkte. Die Zahl von Mastery Elementen ist bei den Senioren (Altersklasse ab 16 Jahren) seit 2015 auf höchsten fünf Stück begrenzt.

Bewertung der Übung

Es gibt ein Kampfgericht, welches aus mehreren Kampfrichtern besteht, die die Übung nach festgelegten Kriterien bewerten. Seit 2013 setzt sich die Endnote aus dem Schwierigkeitswert („D“ max. 10 Punkte) und der Ausführung („E“ max. 10 Punkte), die addiert werden, zusammen. Allgemeine Abzüge werden davon subtrahiert. Somit können maximal 20 Punkte erreicht werden. Eine Körperschwierigkeit zählt nur dann, wenn sie technisch einwandfrei ausgeführt wurde. Wenn das Element technisch nicht ganz einwandfrei gezeigt wurde, wird das Element nur teilweise oder gar nicht anerkannt. Die Gymnastinnen erhalten dann nur einen Teil der Punkte bzw. gar keine Punkte für dieses Element. Es gilt generell: In der Ausführungsnote erfolgt für jeden künstlerischen oder technischen Fehler ein Punktabzug, zum Beispiel in den Bereichen Einheit der Komposition, Umsetzung der Musik, Körperausdruck und Raumausnutzung. Je nach Art des Fehlers können bis zu 0,7 Punkte abgezogen werden. Ein Verlassen der Wettkampffläche während der Übung gibt auch schon einen Abzug von 0,3 Punkten, genauso wie ein spätes Antreten an der Wettkampffläche oder ordnungswidrige Bekleidung.

Besonderheiten bei Gruppen

RSG in Gruppen
Quelle: pixabay

Bei der Übungsausführung in einer Gruppe gibt es einige Besonderheiten. Hier erhält die Gruppe zusätzlich Punkte, wenn die Gymnastinnen das Handgerät durch einen Wurf zwischen sich wechseln. Bei diesem Wechsel müssen jedoch alle Gymnastinnen beteiligt sein. Durch zusätzliche Kriterien, wie den Gerätewechsel über eine große Distanz oder den Abwurf ohne die Benutzung der Hände, kann der Wert des Wechsels erhöht werden. Außerdem gilt, dass die Gruppen in einer Übung mindestens sechs Elemente mit Zusammenarbeit aller Gymnastinnen der Gruppe zeigen müssen. Sie müssen sich dabei mit dem Körper oder den Handgeräten berühren. Auch diese Elemente lassen sich durch zusätzliche Kriterien aufwerten.

Wettkämpfe in der Rhythmischen Sportgymnastik

Bei den meisten Wettkämpfen in der Rhythmischen Sportgymnastik ist der des Mehrkampfes das wichtigste Ergebnis. Hierbei müssen die Gymnastinnen international vier Übungen zeigen und die Gruppen müssen zwei Übungen durchführen. Die Wertungen aller Übungen einer Gymnastin oder Gruppe werden addiert. Wer nach der Addition der Punktzahl aus allen Übungen die meisten Punkte erreicht hat, hat gewonnen. Oft werden zusätzlich noch Gerätefinals ausgetragen. Hierbei dürfen dann die Gymnastinnen die die höchsten Wertungen mit dem jeweiligen Gerät im Mehrkampf erhalten haben im Gerätefinale antreten.

Welche Geräte gibt es in der Rhythmischen Sportgymnastik?

In der Rhythmischen Sportgymnastik gibt es als Handgeräte den Ball, das Band, die Keule und die Reifen. Alle Handgeräte müssen in den Übungen verwendet werden und für die einzelnen Geräte gilt:

Ball

Bälle als Handgerät

Der Ball muss in der Rhythmischen Sportgymnastik folgende Eigenschaften besitzen:

  • Material: entweder Gummi oder Plastikmaterial
  • Durchmesser von ca. 15-20 cm
  • Gewicht von mind. 400 g

Mit dem Ball führen die Gymnastinnen folgende Bewegungen durch: Prellen, Halten, Schwingen & Führen, Werfen & Fangen, sowie Rollen. Dabei gilt, dass der Ball niemals über greifende Bewegungen der Finger gehalten werden darf und die Bewegungsebenen sind einzuhalten.

Band

Bänder in der RSG

Ein Band muss in der Rhythmischen Sportgymnastik folgende Eigenschaften besitzen:

  • Länge von 6 m
  • Breite von 4-6 cm
  • Material: meistens aus Seide oder Satin
  • Stab des Bands hat einen Durchmesser von 1 cm und eine Länge von 50-60 cm, sowie besteht meistens aus Fiberglas, Plastik oder Holz mit einem Gewicht von 35 Gramm+

Der Stab mit dem Band wird in der Verländerung des Armes gehalten und liegt hierbei in der Handinnenfläche. Typische Bewegungen mit dem Band sind Schlangen, Spiralen, Schwünge, Pendelschwünge, Kreisschwünge, Achterbewegungen oder Würfe.

Keule

Keulen als Handgerät

Die Keule muss in der Rhythmischen Sportgymnastik folgenden Eigenschaften besitzen:

  • Material: meistens aus Plastik, einem synthetischen Material oder Holz
  • Länge: ca. 30-50 cm
  • Gewicht: mind. 150 g schwer
  • Flaschenähnliche Form

Typische Bewegungen mit der Keule sind Kreisen, Umkreisen von Körperteilen, Stoßen & Schlagen, Rollen, Balancieren, sowie Führen.

Reifen

Reifen in der Rhythmischen Sportgymnastik

Hinsichtlich der Reifen gilt in der Rhythmischen Sportgymnastik:

  • Material: Plastik oder Holz
  • Innendurchmesser: 80-90 cm
  • Gewicht: mind. 300 g
  • Reifen darf bemalt, besprüht oder umklebt werden

Typische Bewegungen mit Reifen sind Schwingen & Kreisen, Werfen & Fangen, Zwirbeln, Durchspringen & Überspringen des Reifens, sowie Rollen.