Wasserball ist hart: bei dieser schwimmenden Mischung aus Handball und Rugby geht es darum, einen Ball im gegnerische Tor unterzubringen. Weil das Becken mindesten 1,80 m tief ist, müssen die Spieler sich die gesamte Spielzeit über aus eigener Kraft über Wasser halten und, obwohl der Ball hier eine zentrale Rolle spielt, zählt Wasserball deshalb zum Schwimmsport. Wir stellen euch die spannende Mannschaftssportart und die Wasserball-Regeln vor.

Wer hat Wasserball erfunden?

Erfunden wurde Wasserball Ende des 19. Jahrhunderts in England. Wie genau Wasserball aber entstand, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der London Swimming Club hatte damals die Aufgabe, die Regeln des Fußballs auf ein Spiel im Wasser zu übertragen und so höchstwahrscheinlich dem Schwimmsport zu mehr Attraktivität zu verhelfen. Andere Aussagen behaupten, dass ein englisches Rugbyteam das Spiel erfand, als sie nach ihrem Training in einem Schwimmbad mit ihrem Rugby im Wasser herumspielten. Daraus entstand ein Spiel, bei dem der Ball auf einer gegnerischen Plattform abgelegt werden musste.

In Deutschland verbreitete sich Wasserball ab den 1890er Jahren, 1912 wurden die ersten deutschen Meisterschaften ausgespielt. Bereits seit 1900 ist Wasserball ein fester Bestandteil der olympischen Spiele und auch die älteste olympische Mannschaftssportart. Seit 1973 werden außerdem Weltmeisterschaften und seit 1926 Europameisterschaften ausgetragen. Darüber hinaus finden jährlich ein Weltcup und eine Weltliga statt.

Wasserball-Regeln

Die Wasserball-Regeln

Ein Wasserballmatch besteht aus vier mal acht Minuten effektiver Spielzeit. Besteht dann ein Gleichstand kommt es zu zwei mal drei Minuten Verlängerung und danach zum Fünf-Meter-Schießen. Zwischen den einzelnen Vierteln wird zwei Minuten Pause gemacht, in der Halbzeit fünf Minuten. Jede Mannschaft besteht aus 13 Spielern, von denen sich immer jeweils sieben (sechs Feldspieler und ein Torhüter) im Wasser aufhalten. Die weiteren Spieler können im Verlauf des Spiels beliebig oft ein- und ausgewechselt werden. Die Wassertemperatur muss bei offiziellen Spielen immer über 18° C liegen.

Das Spielfeld

Das Spielfeld im Wasserball muss bei den Herren zwischen 20 und 30 m lang und zwischen 10 und 20 m breit sein. Bei den Frauen beträgt die maximale Länge des Feldes 25 Meter. An jeder Stelle des Feldes muss die Wassertiefe mindestens 1,80 m betragen, sodass die Spieler den Boden des Beckens nicht aktiv nutzen können. Sie dürfen von diesem auch nicht abspringen oder mit dem Ball laufen. Hält sich ein Spieler nicht daran gibt es einen Freiwurf. Das Spielfeld ist in zwei Hälften geteilt, die jeweils gleich unterteilt sind: zwei Meter vor der Torlinie markierte eine rote Linie am Beckenrand den sogenannten Zwei-Meter-Raum. Davor befindet sich der gelb markierte Fünf-Meter-Raum. Die Zone zwischen Mittellinie und Fünf-Meter-Raum ist grün markiert.

Wasserball Regeln: das Spielfeld
Quelle: Sascha Heuer

Das Wasserballtor hat eine Breite von 3 Metern und ist 90 cm hoch. Falls die Wassertiefe an der Stelle, an der sich das Tor befindet, nur 1,50 m oder weniger beträgt, dann muss sich die Querlatte des Tors 2,40 m über dem Beckenboden befinden. Die Torlinie unter der Querlatte ist im Vergleich zur Torauslinie 30 cm in das Feld hinein versetzt. An der kurzen Seite des Spielfelds und in der Nähe der Auswechselbank befindet sich außerdem der Wiedereintrittsraum.

Der Spielverlauf

Zu Beginn jedes Viertels wirft der Schiedsrichter beim Anschwimmen den Ball an der Mittellinie ins Wasser. Mit Anpfiff schwimmen die Feldspieler von der Torlinie aus in die Mitte, um in Ballbesitz zu gelangen. Alternativ gibt es auch Vorrichtungen, die den Ball zum Anschwimmen auf der Mittellinie halten. Die Mannschaft im Ballbesitz hat dann eine 30 Sekunden lange Angriffszeit, um auf das gegnerische Tor zu werfen. Schafft die Mannschaft dies nicht, erhält der Gegner einen Freiwurf. Ein Tor kann jedoch nur dann erzielt werden, wenn der Ball davor von mindestens zwei Spielern absichtlich berührt wurde. Freiwürfe und Strafwürfe sind davon ausgenommen. Nach einem erfolgreichen Torgewinn formieren sich dann beide Teams in ihren Spielfeldhälften neu. Der Ball wird dann an einem beliebigen Punkt in der Spielfeldhälfte des Teams, das nun im Ballbesitz ist, abgespielt.

Geht der Ball nach einem Torschuss durch einen Block des Torwarts ins Toraus oder wird der Ball von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft absichtlich dorthin gespielt, so gibt es einen Eckwurf. Dieser findet an der Außenlinie auf der Zwei-Meter-Linie der verteidigenden Mannschaft statt. Wird der Ball ins Toraus geblockt gibt es einen Torabwurf durch den Torwart.

Während des Spiels hat jede Mannschaft die Möglichkeit, vier Time-Outs von je einer Minute zu nehmen (eine Auszeit pro Viertel).

Wasserball Regeln: Das Tor

Ahndung von Regelverstößen

Behindert ein Spieler seinen Gegner wenn dieser nicht im Ballbesitz ist, so wird dies nach den Wasserball Regeln mit einem Foul geahndet. Ein einfaches Foul zieht einen Freiwurf nach sich, ein schweres Foul eine Zeitstrafe von 20 Sekunden. Ein einfaches Foul besteht, wenn ein Spieler den Ball in Bedrängnis unter Wasser drückt, seinen Gegner behindert (mit oder ohne Ball) oder die Angriffszeit abgelaufen ist. Auch falsch ausgeführte Strafwürfe, lange hinausgezögerte Würfe oder eine dritte Auszeit gelten als einfaches Foul. Als schweres Foul gelten das Festhalten oder Zurückziehen eines Gegenspielers, das Behindern eines Freiwurfes, Eckwurfes oder Torabwurfes sowie das Heben beider Arme außerhalb des Fünf-Meter-Raums.

Besonders schwere Fouls wie Brutalität, das Stören eines Strafwurfes oder Beleidigung und Ungehorsam gegenüber dem Kampfgericht werden in den Wasserball Regeln mit einer Hinausstellung mit Ersatz (der betroffene Spieler darf nach der Zeitstrafe nicht wieder eingesetzt werden, jedoch darf das Team weiter vollzählig spielen) bestraft. Bei einer Hinausstellung ohne Ersatz wegen besonderer Brutalität muss die Mannschaft vier Minuten lang in Unterzahl spielen. Schwere Regelverstöße im Fünf-Meter-Raum werden außerdem mit einem Strafwurf geahndet.

Die Ausrüstung

Jeder Spieler muss während des Spiels verpflichtend eine Wasserballkappe tragen. Die Kappen bestehen aus Nylon oder Polyester und werden unter dem Kinn festgebunden. Sie haben außerdem einen integrierten starren Ohrenschutz, der die Spieler vor Verletzungen schützt. Die Kappen müssen während der gesamten Spielzeit auf dem Kopf getragen werden. Sollte ein Spieler seine Kappe verlieren, muss er sie bei der nächsten Spielunterbrechung wieder aufsetzen. Jede Mannschaft hat dabei eine eigene Kappenfarbe, wobei die Heimmannschaft in der Regel mit hellen Kappen (z.B. weiß) und die Gäste mit dunklen Kappen (z.B. blau) spielen. Die Torhüter tragen rote Kappen. Alle Kappen sind zur besseren Identifizierung der Spieler nummeriert.

Wasserball Regeln: Wasserball und Wasserballkappe

Der Wasserball-Ball muss nach den Wasserball Regeln von FINA und KEN zwischen 400 und 450 g wiegen. Der Umfang des Balls beträgt zwischen 68 und 71 cm. Der Ball der Damen ist etwas kleiner. Der Wasserball muss sich farblich deutlich von den Kappen unterschieden, weshalb er meist gelb, orange oder eine andere Signalfarbe hat. Er besteht aus einer Gummiblase mit einer wasserfesten und griffigen Plastikhülle. Der Wasserball muss immer straff aufgepumpt sein, da er so die für Torhüter schwer vorhersehbare Aufsetzerwürfe erschwert. Der Wasserball darf mit jedem Körperteil berührt werden, allerdings dürfen die Feldspieler immer nur einen Arm oder eine Hand nutzen. Lediglich der Torhüter darf den Ball im Fünf-Meter-Raum mit beiden Händen berühren.

Wasserball in Aktion

In diesem Video erhälst Du einen kleinen Einblick, wie Wasserball in Aktion aussieht: