Der Diskuswurf gehört, genau wie der Hammerwurf, zum Block der sogenannten Drehwürfe in der Leichtathletik. Im Gegensatz zum Speerwurf oder (eingeschränkt) dem Kugelstoßen erfolgt der Abwurf beim Diskuswerfen in Folge einer Drehbewegung, nach der das Wurfgerät schnell und kräftig aus dem Ring geschleudert wird. Der Bewegungsablauf beim Diskuswurf gehört dadurch zu den komplexeren in der Leichtathletik. Trotzdem kannst du diese Disziplin sowohl im Schulsport, als auch in der Kinderleichtathletik üben. Wie du Anfänger, wie Kinder und Schüler, an das Diskuswerfen heranführen kannst, zeigt dir dieser Beitrag.

Diskuswerfen: die Technik

Im Laufe der Drehbewegung dreht sich der Werfer eineinhalb Mal um seine eigene Achse. Vor dem Beginn der Drehung steht der Werfer mit dem Rücken zur Wurfrichtung am hinteren Kreisrand. Dann beginnt er (als Rechtshänder), den Diskus mit einer lockeren Bewegung möglichst weit nach rechts hinten über Schulterhöhe hoch schwingen zu lassen. Nach diesem Anschwung beginnt die eigentliche Drehung:

Zunächst dreht sich der Werfer auf dem linken Fußballen in Wurfrichtung. Das rechte Bein drückt sich dabei vom Boden ab und schwingt mit. Sobald der Körper in Wurfrichtung zeigt, hebt auch das linke Bein vom Boden ab und es kommt zu einer kurzen Flugphase. Dann setzt zuerst das rechte Bein wieder im Ring auf, bevor das linke Bein vor dem Rechten parallel dazu aktiv mit der Fußinnenkante aufgesetzt wird. Diese Position nennt man Wurfauslage.

Das Körpergewicht in der Wurfauslage befindet sich auf dem gebeugten rechten Bein. Der Arm mit dem Diskus befindet sich weit hinter dem Körper, sodass eine Verwringung entsteht. Für den Abwurf führt das hintere (rechte) Bein eine explosive Dreh-Streckbewegung durch, um die rechte Hüfte und die rechte Schulter nach vorne zu bringen. Sobald das Körpergewicht auf das linke Bein verlagert ist, erfolgt der Abwurf des Diskus durch einen Armzug mit langem Arm nach vorne oben, über Schulterhöhe. Der Diskus wird dabei über den Zeigefinger abgerollt.

via GIPHY

Den Diskus richtig halten

Die richtige Haltung des Diskus ist besonders wichtig für einen gelungen Wurf. Die gespreizte Hand befindet sich dabei auf der Diskusfläche, die Fingerkuppen umschließen den Rand. Beim Abwurf wird der Diskus dann im Uhrzeigersinn über den Zeigefinger abgerollt.

Heranführung an den Diskuswurf

Egal ob Kinder in der Kinderleichtathletik oder ältere Schüler im Schulsport, es ist wichtig, dass der Drehwurf bzw das Diskuswerfen schrittweise erlernt werden. Dabei solltest du zunächst auf den Diskus als Wurfgerät verzichten und stattdessen auf Tennisringe oder Fahrradmäntel zurückgreifen. Diese lassen sich einfach greifen und halten, sodass sich die Kinder bzw. Schüler ganz auf den Bewegungsablauf konzentrieren können. Auch vorbereitende Übungen, wie zum Beispiel der Drehsitz (Oberkörper im Sitzen nach links und rechts verdrehen, dabei beide Hände auf dem Boden aufsetzen) oder eine Körperdrehung in der Kerze sind hilfreich, um den Körper auf die Bewegung vorzubereiten.

Trotzdem unterscheidet sich das Vorgehen dabei, auch durch das unterschiedliche Alter der beiden Gruppen.

Drehwurf in der Kinderleichtathletik

Die Kinderleichtathletik bietet hier für die verschiedenen Altersklassen jeweils eine Disziplin „Drehwurf“ an, die sich mit zunehmendem Alter auch im Niveau steigert. Diese Aufteilung bietet sich auch als schrittweises Vorgehen für das Einführen des Drehwurfs an.

Diskuswerfen für Kinder mit dem Kinderdiskus

In der U8 wird direkt aus der Wurfauslage geworfen. Der Fokus liegt dabei auf der Dreh-Streckbewegung und der Gewichtsverlagerung vom hinteren Druckbein auf das vordere Stemmbein. Geworfen wird mit Tennisringen, Fahrradmänteln oder kleinen Schleuderbällen. Die Kinder sollen dabei aus der Schrittstellung und dem langen Arm nach vorne werfen.

In der U10 werfen die Kinder nach einer maximal einfachen Drehung. Rechtshänder blicken dabei zu Beginn in Wurfrichtung und führen davon ausgehend eine Drehung durch. Der linke Fuß setzt parallel vor dem rechten auf, welcher dann ebenfalls eine halbe Drehung nach vorne vollführt, um in die Wurfauslage zu gelangen. Auch hier wird mit Tennisringen, Fahrradmänteln, aber auch besonderen Kinderdisken geworfen. Wichtig ist hier auf die peitschenartige Armbewegung nach vorne zu achten und den Wurfarm möglichst lange hinten zu halten.

Im Drehwurf der U12 werfen die Kinder dann aus der vollständigen anderthalbfachen Drehung bzw. einer Eineinviertel-Drehung, genau wie im richtigen Diskuswerfen. Wurfgeräte sind auch hier Tennisringe, Fahrradmäntel oder Kinderdisken.

Drehwurf im Schulsport

Im Schulsport wird der Drehwurf zumeist nur mit älteren Schülern, beispielsweise in der Oberstufe durchgeführt. Ähnlich wie in der Aufgliederung der Kinderleichtathletik sollte die Drehung auch mit älteren Kindern Stück für Stück erlernt werden. Für erste Übungen der Drehung empfiehlt es sich, auch hier auf Tennisringe und Fahrradmäntel zu setzen. Darüber hinaus sollte das richtige Halten und Anschwingen eines Diskus separat geübt werden. Um ein Gefühl für den Diskus und den Abwurf über den Zeigefinger zu bekommen, ist das Abrollen des Diskus über die Fingerkuppen eine gute Übung. Dabei versuchen die Schüler, den Diskus so weit wie möglich oder auf verschiedene Ziele zu rollen.

Eine beispielhafte Schulstunde könnte folgendermaßen ablaufen: Nach dem Aufwärmen sollten vorbereitende Übungen wie der erwähnte Drehsitz oder der Sumo durchgeführt werden. Zum Aufwärmen eignet sich zum Beispiel Helferball, wobei jedoch mit Wurfringen gespielt wird. Danach erfolgt der Standwurf aus der Wurfauslage. Sobald dieser sitzt, kann zu einer ganzen und später zur anderthalbfachen Drehung übergegangen werden. Je nach Niveau der Schüler sollte das Diskuswerfen zuerst mit alternativen Wurfgeräten durchgeführt werden, bevor der Diskus ins Spiel kommt. Die richtige Handhabung und Haltung des Diskus gehört dann ebenfalls dazu. Verschiedene Spiele unterstützen beim Erlernen der Bewegungen.

Übungen und Spiele für den Drehwurf

Um die Technik des Drehwurfs spielerisch zu erlernen bieten sich sowohl für Kinder als auch für Schüler verschiedene Spiele und Übungsreihen an, die verschiedene Aspekte im Diskuswerfen ansprechen.

Diskuswerfen: Drehwurf-Übung für Kinder

Kellner

Dieses Spiel ist ein ideales Aufwärmspiel. In einem abgesteckten Feld hält jedes Kind einen Diskus auf der ausgestreckten Hand, wie ein Kellner ein Tablett. Ein Fänger versucht nun die anderen Kinder zu fangen. Wer seinen Diskus verliert wird automatisch zum Fänger.

Helferball mit Wurfringen

Beim Helferball gibt es einen Fänger, der versucht, die anderen Kinder zu fangen. Diese haben die Möglichkeit sich klassischerweise einen Ball (oder mehrere), in diesem Fall aber Wurfringe zuzuspielen, da diese als Sicherheit dienen: wer einen Ring in der Hand hat kann nicht gefangen werden.

360°

Verteile hierfür Turnmatten kreuz und quer im Feld. Aufgabe ist es dann, wild durcheinander zu laufen und auf jeder Mate eine ganze Drehung um die eigene Achse durchzuführen. So bekommen die Kinder ein Gefühl für die Drehbewegung im Diskuswerfen.

Wirbelsturm

Diese Übung eignet sich sehr gut, um die Technik der Drehung einzuführen. Dafür legst du drei Reifen so aus, dass zwei Reifen direkt aneinander liegen und ein dritter mit kleiner Lücke zu den anderen beiden davor liegt. Der Fuß auf der Seite der freien Hand (bei Rechtshändern links) steht im ersten Reifen. Über eine Drehung versuchen die Kinder dann im anschließenden Ringpaar stehen zu bleiben, bei Rechtshändern steht der linke Fuß dann im vordersten Reifen. Während der Drehung sind die Arme zur Seite ausgestreckt.

„Wo bin ich“

Mit dieser Übung trainierst du die Orientierungsfähigkeit und die richtige Technik des Drehschritts. Dafür brauchst du lediglich zwei Linien, zum Beispiel auf der Leichtathletikbahn oder in der Halle. Aufgabe ist es dann, drei fortlaufende Drehungen durchzuführen, ohne den Korridor zwischen den Linien zu verlassen. Als Variante kann am Ende noch ein Abwurf erfolgen.

Zick-Zack-Lauf

Für diese Übung brauchst du einige Reifen. Diese ordnest du jeweils zu dritt in einer Reihe an: zwei Reifen direkt aneinander, davor ein dritter mit kleiner Lücke zu den anderen beiden. Diese Dreierpakete legst du im Zick-Zack-Muster aus. Die Kinder müssen nun diese Anordnung durchlaufen und an jeder Ringgruppe eine 2/2-Drehung durch die Reifen durchführen. Im jeweils letzten Reifen sollen die Kinder dann im Gleichgewicht stehenbleiben, sodass das Gewicht auf dem hinteren Bein liegt.

Sumo

Der Sumo trainiert die Drehung im Gleichgewicht. Dafür stellst du eine oder mehrere Langbänke umgedreht nebeneinander. Die Kinder stellen sich dann breitbeinig (wie ein Sumoringer) und mit zur Seite gestreckten Armen auf die Bank und versuchen dann zunächst diese Position zu halten und anschließend immer eine halbe Drehung auf dem Fußballen durchzuführen (über links, über rechts, usw.). Die Grundposition sollte bis zum Ende der Bank gehalten werden.

Draußen kann diese Übung auch auf einer Linie durchgeführt werden.

Ringsprint

Für den Ringsprint legst du, wie beim Zick-Zack-Lauf, Reifen in zwei Dreiergruppen hintereinander aus.  Die Beiden Gruppen sollten so angeordnet sein, dass sie genau spiegelverkehrt gegenüber liegen. Jeweils einige Meter hinter den Reifen stellst du zwei Hütchen als Start und Ziel auf. Dann treten zwei Läufer gegeneinander an: sie laufen jeweils zu den weiter von ihrem Start entfernten Reifen und führen dort so schnell wie möglich eine korrekte 2/2-Drehung durch und kehren dann zurück zum Start.

Zielwurf

In diesem Spiel trainieren die Kinder nicht nur die Schleuderbewegung, sondern auch das präzise und saubere Werfen im Diskuswerfen. Zwei Gruppen treten dabei gegeneinander an und versuchen, möglichst viele Matten oder Hütchen zu treffen, die in einiger Entfernung zu einer Abwurflinie ausgelegt sind. Lege die Matten dabei so aus, dass sie unterschiedlich weit entfernt sind. Je weiter entfernt das Ziel, umso mehr Punkte gibt es.

Diskus-Boccia

Diskus-Boccia trainiert die Abrollbewegung des Diskus über den Zeigefinger. Ziel dabei ist es, den Diskus über den Finger abzurollen und dabei einem in einiger Entfernung ausgelegten Ziel möglichst nahe zu kommen.