Flossing ist der neue Trend der Fitness und Therapieszene. Im Spitzensport längst kein Novum mehr, erobert das Gummiband nun auch die Fitnessszene. Wie schon Kinesiotapes und Faszientraining, ist auch das Flossing eine medizinisch-therapeutische Anwendung, die den Sprung in den Freizeit- und Fitnesssport wagt. Jetzt wird nicht mehr geklebt und gerollt – ab sofort wird auch gewickelt! Von uns erfährst du, was Flossing ist und wie du es anwenden kannst.

WAS IST FLOSSING?

Beim Flossing wird ein 5 cm breites und 2 m langes Latexband mit 0,8 mm bis 1,5 mm Dicke eng und fest um das zu behandelnde Körperteil oder Gelenk (bzw. knapp ober- oder unterhalb der schmerzenden Region) gewickelt, zum Beispiel um Knie, Schulter, Ellenbogen oder Fuß.

Flossing beruht auf dem Prinzip der Kompression. Muskulatur, Gefäße und Gewebe werden durch das Band unter Druck gelegt. Der hohe Fixationsdruck wirkt auf die Schmerzrezeptoren und tieferliegenden Faszien inhibitorisch („hemmend“). Dies geschieht, wenn möglich, unter Bewegung der gewickelten Extremität. Trotz des sehr straff umwickelten Gelenkes sind passive und aktive Bewegungen möglich, sogar komplexe, funktionale Übungen wie z. B. Kniebeugen oder Liegestützen können durchgeführt werden.

Sobald das Flossband wieder gelöst wird, löst sich auch der Stau und das Gewebe wird durchspült. Dann spürt man das schlagartig zurückströmende Blut und ein intensives Besserungs- und Entlastungsgefühl. Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen gehen zurück.

Das Flossband arbeitet mit Kompression, ähnlich wie eine Bandage, doch ist beim Flossing die Kompression um ein vielfaches höher bzw. intensiver. Daher dient das Flossband nicht als Ersatz für eine Bandage oder ähnliches und sollte auch nicht dauerhaft angewendet werden.

WIRKUNGSPRINZIPIEN VON FLOSSING

Ziel von Flossing ist es in erster Linie, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Außerdem kann der Druck Ödeme mindern, die anschließende Mehrdurchblutung beeinflusst den Austausch von Gewebsflüssigkeit positiv, die bei Ödemen meist nicht besonders gut funktioniert. Durch den Druck und Zug des Bandes auf der Haut werden die Gewebsschichten aneinandergepresst und verschoben. Dadurch wird die alte Gewebsflüssigkeit ausgepresst, sowie der venöse Rückfluss unterbrochen und die arterielle Versorgung gehemmt. Flossing hat somit einen Schwammeffekt: das Gewebe wird wie ein Schwamm ausgedrückt und nach Lösen des Bandes neu durchspült, was wiederum die Nährstoffbilanz verbessert.

Die Schmerzlinderung durch Flossing funktioniert über die sogenannte Gate-Control-Theorie: da die Signale der Schmerzrezeptoren und der drucksensitiven Rezeptoren über den selben Nerv laufen wird nur der stärkere Druckreiz an das Gehirn weitergeleitet. So können schmerzende Strukturen mobilisiert werden. Weiterhin wird vermutet, dass durch Flossing Verklebungen in den Faszien gelöst werden können, da die Gewebsschichten gegeneinander mobilisiert werden.

EINSATZMÖGLICHKEITEN VON FLOSSING

Das Flossband wird vor oder nach dem Sport eingesetzt. In der Physiotherapie wird das Band als Ergänzung für bestimmte Behandlungsmethoden genutzt. Durch die relativ kurze Applikationszeit dient das Flossband lediglich als Baustein einer Behandlung.

Grundsätzlich kann Jedermann, das Band anwenden und beim Sport einsetzen. Es ist aber ein Vorteil,  Kenntnisse der Anatomie zu haben und sich mit der Ausführung von Bewegungsabläufen auszukennen. So kann das Band optimal eingesetzt werden und die positiven Eigenschaften werden ausgeschöpft. Viele Athletiktrainer und Physiotherapeuten nutzen diese neue Therapieform in den verschiedenen Sportarten, Eishockey, Fussball, Gewichtheben und auch in der amerikanischen Profi Football Liga NFL.

ANWENDUNGSBEISPIEL: TENNISARM

Ein weit verbreitetes Leiden vieler Sportler ist der sogenannte Tennisarm, eine Überlastung der Handgelenksstreckmuskulatur. Nicht nur Tennisspieler, Volleyballer, Tischtennisspieler und auch Kanufahrer können hin und wieder unter dem spezifischen Überlastungssyndrom leiden, auch Nicht-Sportler können einen Tennisarm entwickeln. Langes Arbeiten am PC, viel Schreib- und Tipparbeit, sowie eine ungünstige Sitzposition führen häufig zu Schmerzen und Verspannungen im Bereich der Ellbogenaußenseite. Bei einem ausgeprägten Überlastungssyndrom verspürst Du neben Druck- und Belastungsschmerzen in diesem Areal auch ein Ziehen bis in den Ober- oder Unterarm. Die Schmerzen entstehen dabei, durch mikroskopisch kleine Risse in den Sehnen, welche die Muskeln mit dem Knochen verbinden. Durch die Reizung kommt es in Folge auch zu einer Entzündung im Gewebe.

VORGEHEN

Wickle das Flossband straff und achte darauf, dass Du stets zum Herzen hin arbeitest. Achtung: Wenn du während des Flossings ein Taubheits- oder Kribbelgefühl verspüren solltest, oder die betreffende Extremität leichenblass wird, muss der Wickel sofort abgenommen werden! Wenn du das Flossband sauber angelegt hast, bewegst du im zweiten Schritt Deinen Ellbogen in all seinen Bewegungsrichtungen durch. Achte darauf, dass du die Bewegungen langsam und gezielt ausführst. Wenn du anschließend das Flossband vom Arm löst, wird dieser Bereich verstärkt durchblutet und mit Nährstoffen versorgt. Darüber hinaus wird der Abtransport von Gewebsflüssigkeit bei Schwellungen gefördert.

TIPPS ZUR RICHTIGEN WICKELTECHNIK

Bei der Wicklung ist es wichtig, dass du immer zum Herzen hin flosst. Die Gewebsflüssigkeiten und das Blut müssen zurückfließen und dürfen sich nicht in einem Körperabschnitt stauen. Hast du den unteren „Anker“, so nennt man die erste feste Wicklung, gesetzt, wickelst du weiter nach oben. Hierbei beachte, dass die Überlappung der Bänder nicht kleiner als 50 % sein darf. Nur so bekommst du eine Kompression und das Band rutscht später bei den Übungen nicht ab. Wir erhalten oft die Frage, wie lange sollte man die Flossband Applikation pro Anwendung gewickelt lassen. Einen wissenschaftlichen Richtwert gibt es noch nicht. Die Applikation sollte nicht länger als 2-3 Minuten dauern. In dieser Zeit wird dem Gewebe Flüssigkeit und Blut entzogen, eine zu lange Anwendung kann dem Gewebe schaden.

BANDSTÄRKEN

Zur Erklärung wann welches Band und welche Stärke eingesetzt wird, liefert uns die Praxis folgende Rückmeldung. Die leichten Bänder mit der Farbe Grün und Blau, verwendest du bei kleinen Muskeln und Gelenken wie zum Beispiel dem Unterarm. Auch für sehr schmerzempfindliche Patienten empfehlen wir die beiden dünneren Flossbänder. Im Umkehrschluss arbeitest du bei großen Muskeln und Gelenken mit den stärkeren Bändern. Im Kraftsport und allgemein bei Sportlern, wird oft das graue Flossband benutzt.

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