Spitzensportler schwören bereits seit Jahren auf das Faszientraining mit einer Faszienrolle. Auch Physiotherapeuten und Fitnessstudios statten immer öfter ihre Praxen mit den nützlichen Therapiehilfen aus. Und selbst zu Hause wird die Faszienrolle häufig zur Selbstmassage bei Verspannungen eingesetzt. Doch was steckt eigentlich hinter dem Trend von Faszienrollen?

Faszientraining

Was sind Faszien?

Ständig redet man über Faszien und natürlich besonders im Zusammenhang mit Faszienrollen. Doch was sind diese überhaupt? Faszien sind das Bindegewebe unseres Körpers und umschließen den gesamten Menschen wie ein riesiges Netzwerk. Das kannst Du Dir ungefähr wie ein Spinnennetz von Kopf bis Fuß vorstellen. Zudem verbinden Faszien Knochen, Sehnen, Muskeln und Organe. Der Begriff selbst bedeutet Band bzw. Bündel und erläutert somit die Struktur der Faszien. Denn diese sind ein bandförmiges, reißfestes Gewebe. Faszien beschreiben das größte Organ unseres Körpers und nehmen dabei nicht nur eine unfassbare Größe ein, sondern ebenso auch viele Funktionen. Das Fasziengewebe stabilisiert und hält den Körper in einer aufrechten Position, verhindert ein zu starkes Aneinanderreiben der Muskeln und verbessert die Körperwahrnehmung und Koordination. In den Faszien liegen zahlreiche Nerven und Rezeptoren, die bei der Kommunikation von zahlreichen Stoffwechsel- und Regulationsprozessen helfen.

Was bewirken Fasziengeräte?

Faszientraining im Fitness

Vernachlässigst Du die Faszien, können diese verkleben und verhärten. Das kann nicht nur sehr schmerzhaft sein, sondern auch einige der vorher beschriebenen Funktionen einschränken. Hinter vielen Rückenproblemen oder anderen Beschwerden am ganzen Körper stehen oftmals „nur“ verklebte und verhärtete Faszien als Ursache. Die Faszienrolle und damit das Faszientraining helfen Dir dabei, die Faszien locker zu halten und im Fall von Verklebungen diese wieder geschmeidiger zu machen. Bei der Massage mit einer Faszienrolle übst Du Druck auf die betroffene Körperstelle aus und massierst damit die Bindegewebsstrukturen. Diesem Druck gibt das Gewebe nach, was als Folge verklebte und verdickte Faszien löst.

Was für verschiedene Geräte gibt es für das Faszientraining?

verschiedene Produkte zum Faszientraining

Es gibt viele verschiedene Produkte für das Faszientraining bzw. die Massage der Faszien:

  • Faszienrollen
  • Faszienbälle & Twister
  • Massage mit Vibration
Minirolle zum Faszientraining

Die aus Hartschaum bestehenden Faszienrollen- bzw. bälle unterscheiden sich in ihren Farben, in ihrer Oberfläche, in den unterschiedlichen Härtegraden und Größen. Die klassische Faszienrolle hat die Form eines Zylinders mit oftmals einem Hohlraum in der Mitte und weist eine Länge von 30 bis 45 cm auf. Mit der Standardrolle lassen sich alle Körperregionen und größere Muskelregionen, wie beispielsweise am Oberschenkel oder Rücken, trainieren. Für Körperbereiche, wie beispielsweise den Nacken oder die Fußsohle, solltest Du eine kleinere Rolle oder einen kleineren Ball benutzen. Die Oberfläche der Fasziengeräte kann glatt oder strukturiert (z.B. mit Rillen) sein. Grundsätzlich kann man zudem sagen, dass sich Faszienbälle für eine noch punktuellere Massage von spezifischen Körperbereichen eignen. Als Erweiterung gibt es außerdem Faszienrollen mit Vibration. Hier wird die durch Druck ausgeführte Massagewirkung durch Vibration verstärkt. Außerdem kommt es durch die Vibration zu einer Abschwächung des Schmerzempfindens.

Übungen mit einer Faszienrolle bzw. einem Faszienball

Die Bandbreite der Übungen ist schier endlos. Mit den Massage- bzw. Trainingshilfen kannst Du letztlich Übungen am ganzen Körper durchführen. Es ist dabei egal, ob es sich um einen Sportmuffel, einen Leistungs- oder einen Freizeitsportler handelt, das Training mit dem Fasziengerät kräftigt das Bindegewebe und erhält, beziehungsweise verbessert die Beweglichkeit.
Zudem sind die Geräte platzsparend, multifunktional und können überall mitgenommen und aufgebaut werden.

Es wichtig, dass Du die Rollbewegungen während der Übungen langsam ausführst und den Druck gut dosierst. Einen leichten Schmerz zu verspüren ist in Ordnung, allerdings sollte es kein starker, stechender Schmerz sein.

Übung 1: Faszientraining für die Füße

Übungen im Faszientraining

Wir beginnen mit dem Training an der Fußsohle. Diese Anwendung stimuliert die Füße und Du solltest dafür am besten einen Faszienball oder eine kleine Faszienrolle benutzen. Setze Dich auf einen Stuhl oder stelle Dich aufrecht hin und stelle Deine Fußsohle auf den Ball. Nun rollst Du den Faszienball ganz langsam vor und zurück mit leichtem Druck über Deine Fußsohle. Das machst Du abwechselnd an beiden Füßen.

Übung 2: Faszientraining für die Wade

Faszientherapie

Wadenkrämpfe haben nicht nur Leistungssportler nach einem anstrengenden Training, sondern auch Sportmuffel können von diesen geplagt werden. Oftmals wird dafür nur ein Magnesiummangel als Ursache gesehen, jedoch können auch verklebte Faszien dafür verantwortlich sein. Setze Dich auf den Boden (am besten gepolstert mit einer Fitnessmatte) und lege die Faszienrolle unter Deine Wade (in der Mitte). Nun stützt Du dich mit beiden Händen nach hinten und hebst Dein Gesäß an, sodass Dein Körper nur von Deinen Händen und der Wade auf der Rolle getragen wird. Das andere Bein wird auf das belastende Bein gelegt. Nun rollst du mit langsamen Bewegungen Deine Wade über die Rolle vor und zurück.

Übung 3: Faszientraining für die Oberschenkel (vorderer Oberschenkel)

Beim Faszientraining am Oberschenkel kann man zwischen der vorderen, der hinteren und der seitlichen Region unterscheiden. Wir beginnen mit einer Übung für den vorderen Oberschenkel. Hierfür legst Du Dich bäuchlings auf die Faszienrolle und stützt Dich, wie im Unterarmstütz, auf den Ellbogen ab. Du berührst nur mit den Fußspitzen den Boden. Die Rolle positionierst Du etwa über dem Knie und rollst dann mithilfe Deiner Arme vor und zurück. Die Bewegung der Rolle sollte vom Knie bis zur Hüfte ablaufen.

Übung 4: Faszientraining für die Oberschenkel (hinterer Oberschenkel)

Als nächstes stellen wir Dir eine Übung für den hinteren Oberschenkel vor. Hierfür setzt Du Dich mit dem Gesäß auf den Boden und stützt Dich mit den Händen am Boden ab. Die Faszienrolle musst Du etwas höher wie die Kniekehle unter den rechten Oberschenkel legen. Nun hebst Du das Gesäß ab und rollst den gesamten Oberschenkel über die Faszienrolle vor und zurück.

Übung 5: Faszientraining für die Oberschenkel (seitlicher Oberschenkel, Hüftbeuger)

Faszientherapie löst Verspannungen

Um auch den seitlichen Oberschenkel anzusprechen, legst Du Dich mit dem Oberschenkel seitlich auf die Faszienrolle und sützt Dich ab, indem Du einen Ellbogen aufstellst und die obere Hand aufsetzt. Nun rollst Du dich vom Knie zur Hüfte über die Rolle.

Übung 6: Faszientraining für das Gesäß

Hilfe durch Faszientraining

Gerade bei Büromenschen, die viel sitzen, ist die Übung für das Gesäß sehr effektiv. Für die Übung setzt Du Dich auf die Faszienrolle bzw. den Faszienball und stützt Dich mit den Händen ab. Du musst die Beine anwinkeln und dadurch eine stabile Position finden. Die Beine helfen Dir dabei eine Vor- und Rückwärtsbewegung zu machen, was die Gesäßmuskulatur massiert.

Übung 7: Faszientraining für den unteren Rücken

Hilfe durch Faszientherapie

Viele Menschen werden von Rückenschmerzen geplagt und gerade dann sollten sie das Faszientraining ausprobieren. Die Übung des unteren Rückens kannst Du liegend oder stehend an einer Wand ausführen. Du positionierst die Rolle am unteren Rücken (etwas höher als Dein Gesäß). Die Arme verkreuzt Du vor Deiner Brust oder hinter Deinem Kopf, die Beine sind angewinkelt und die Füße aufgestellt. Nun hebst Du das Gesäß an und führst wiederum eine Vor- und Rückwärtsbewegung (vom Gesäß bis zum Anfang der Rippen) durch.

Übung 8: Faszientraining für den oberen Rücken

Faszienmassage

Diese Übung eignet sich für die Massage des gesamten Rückens, wofür Du die Faszienrolle in der Mitte Deines Rückens im Liegen positionieren solltest. Nun führst Du wiederum eine langsame Vor- und Rückwärtsbewegung (vom unteren bis zum oberen Ende der Brustwirbelsäule) durch.

Übung 9: Faszientraining für den Nacken

Übungen und Tipps für Faszien

Verspannungen im Nackenbereich sind oftmals begleitend zu Schulterschmerzen. Die Übung zur Lösung der Nackenverspannungen kannst Du im Liegen oder Stehen durchführen. Du legst Dich auf den Rücken mit angewinkelten Beinen oder stellst Dich in einer aufrechten Position an die Wand. Die Rolle legst Du in den Nacken und nun drehst Du Deinen Kopf langsam von links nach rechts und wieder zurück.

Übung 10: Faszientraining für die Schultern

Auch die Schultermuskulatur ist oftmals nach dem Arbeiten am Schreibtisch verspannt. Für die Ausführung der Übung stellst Du Dich seitlich an eine Wand. Gehe leicht in die Knie und klemme die Faszienrolle zwischen Schulter und Wand ein. Nun führst Du wiederum eine langsame Vor- und Rückwärtsbewegung über die Rolle durch, indem Du leicht in die Knie gehst und Dich dann wieder aufrichtest.

Einen kleinen Eindruck der vorgestellten Übungen bekommst Du auch im folgenden Video: